Berlinale revisited (2010): Caterpillar

Caterpillar © Internationale Filmfestspiele Berlin Caterpillar (OT: Kyatapirā)
Japan 2010 / 85 min / FSK: o.A.

Das auf der 1929 veröffentlichten Kurzgeschichte “Die Raupe” (OT: Imomushi) von Edogawa Rampo (engl. Edogawa Ranpo) basierende, zeitlich jedoch in die Jahre des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs versetzte Drama von Regie-Altmeister und Produzent Kōji Wakamatsu ist nichts für sanfte Gemüter.

Im Jahr 1940 kehrt Leutnant Kurokawa (Shima Ōnishi) hochdekoriert, aber schwer kriegsversehrt in sein Heimatdorf zurück. Fortan fällt es seiner Frau Shigeko (Shinobu Terajima) zu, ihren nicht nur arm- und beinamputierten, sondern scheinbar auch taub und stumm gewordenen Ehemann aufopferungsvoll zu pflegen. Wie die Dorfgemeinschaft, unter deren akribischer Blicken Shigeko ihren Mann umsorgen und ehren muss, beobachten wir die von Pflichtgefühl, Abhängigkeit, Ekel, Dominanz und (sexueller) Gewalt geprägte Beziehung des Paares. Zudem erhalten wir tiefe Einblicke in eine in ihrer Hingabe zum Kaiserreich völlig verblendete Gesellschaft und erfahren über die Nähe von Kriegsschuld und Kriegsleid.

Ein in seiner plakativen und redundanten Darstellung von Gewaltszenen schwieriger und vielleicht aus europäischer Sicht überzeichneter Film, der aber ob seiner thematischen Beschäftigung mit den allzu oft vergessen, indirek-ten Opfern des Krieges an der Heimatfront zumindest einen Blick wert ist.

INFO: Shinobu Terajima erhielt für ihre Rolle der zum Gehorsam verpflichteten Ehefrau den Silbernen Bären als beste Schauspielerin.

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